Der Riesling gilt als eine der drei großen weißen Weltrebsorten (mit Chardonnay und Sauvignon Blanc). Ursprung an Rhein und Mosel; verbreitet ins Elsass, nach Österreich, Südtirol, Friaul, und in den letzten Jahrzehnten auch nach Australien (Clare Valley) und Neuseeland. Die beiden klassischen Terroirs — Deutschland und Italien — bringen sehr unterschiedliche Weine hervor.
Der deutsche Riesling: Säure, Mineralität, kontrollierte Süße
In Deutschland vor allem in Mosel, Rheingau, Rheinhessen, Nahe, Pfalz. Kühles Klima: natürlich hohe Säure, langsame Reifung, komplexe Aromen.
Die deutsche Prädikatsklassifikation:
- Kabinett: leichte Weine, oft feinherb, 8-10 % Alkohol, grüner Apfel, Zitrus.
- Spätlese: späte Lese. Mehr Körper, aromatischer.
- Auslese: überreife Trauben-Selektion. Süß, komplex, altert 30+ Jahre.
- Beerenauslese (BA), Trockenbeerenauslese (TBA): Beere-für-Beere-Lese, oft mit Botrytis. Meditationsweine.
- Eiswein: gefrorene Trauben an der Rebe.
Im deutschen Riesling ist Restzucker auch in „Alltagsweinen" normal. Das Gleichgewicht zwischen hoher Säure und Süße ist die stilistische Signatur.
Der italienische Riesling: Austerität und Mineralität
In Italien vor allem in Südtirol (Vinschgau, Eisacktal), Trentino, Friaul (Collio), Oltrepò Pavese. Wärmer und trockener als die Mosel: Trauben reifen früher, immer noch hohe Säure aber weniger extrem, Weine finish generell trocken.
Typische italienische Rieslings:
- Vinschgau: sehr straffe, mineralische Weine, Zitrus und Feuerstein. Kuenhof, Peter Dipoli, Falkenstein.
- Eisacktal: ähnlicher Stil, vielleicht etwas blumiger.
- Oltrepò Pavese: Riesling Renano und Riesling Italico (technisch KEIN Riesling, sondern Welschriesling). Auf Etikett achten.
Die Unterschiede im Mund
Ein Kabinett von der Mosel: Zitrus, grüner Apfel, nasser Stein, oft Petrolnote (typisch bei gereiftem Riesling — kein Fehler), 15-30 g/l Restzucker, 8-9 g/l Säure.
Ein Vinschgau-Riesling: reifere Zitrus, gelber Pfirsich, kalkig-mineralisch, trocken, hohe Säure. Wie in einen gelben Pfirsich beißen nach einem Bergspaziergang.
Wer gewinnt?
Falsche Frage. Verschiedene Dinge. Der deutsche Riesling ist vielseitiger (vom Aperitif bis zum Dessert dank verschiedener Süßestufen) und hat unglaubliches Alterungspotenzial. Der italienische Riesling ist „moderner", trocken, mit vorhersehbarem Profil für Liebhaber kräftiger Weißweine.
Riesling zu Tisch
- Sushi, Thai, nicht zu scharfe Currys: deutscher Kabinett feinherb
- Forelle mit Mandeln, weißer Spargel: italienischer Riesling trocken
- Blauschimmelkäse (Roquefort, Gorgonzola): Auslese oder Beerenauslese
- Aperitif mit Pistazien: Riesling Eisacktal trocken
Für Riesling-Auswahlen aus beiden Ländern: Katalog oder Kontakt. Siehe auch: Bayerische Weine · Die 10 berühmtesten italienischen Rebsorten.