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Geschichte

Geschichte des Chianti Classico: vom Mittelalter zum Schwarzen Hahn

von Luca De Matteis6 Min. Lesezeit

Der Chianti Classico ist eine der bekanntesten Weinbau-Denominazioni der Welt und gleichzeitig eine der am meisten missverstandenen. „Chianti" bedeckt völlig unterschiedliche Realitäten: vom Chianti Colli Fiorentini bis zum Chianti Colli Aretini, bis zum echten, historischen Chianti Classico mit dem Symbol des Schwarzen Hahns.

1716: der erste Weinbau-Erlass der Geschichte

Am 24. September 1716 erlässt Großherzog Cosimo III. von Toskana den Erlass „Über die Grenzen der vier Regionen Chianti, Pomino, Carmignano und Val d'Arno di Sopra". Das erste weltweite juristische Dokument, das ein Weinbaugebiet geographisch präzise definiert.

Die ursprüngliche Chianti-Zone lag zwischen den Gemeinden Radda, Gaiole und Castellina in Chianti. Das ist das geographische Herz des heutigen Chianti Classico.

Das „erweiterte" Chianti und die Geburt des Classico

Im 19. und frühen 20. Jahrhundert begannen viele toskanische Gebiete „Chianti"-Weine zu produzieren. 1932 unterschied ein Ministerialdekret offiziell „Chianti" (erweitert) und „Chianti Classico" (historisch). Die definitive Trennung kam 1996 mit separaten DOCG-Statuten. Heute umfasst der Chianti Classico neun Gemeinden zwischen Florenz und Siena.

Der Schwarze Hahn: mittelalterliche Legende

Im 13. Jahrhundert stritten Florenz und Siena um die Kontrolle des Chianti. Sie einigten sich auf eine kuriose Methode: Zwei Reiter würden beim Hahnenschrei losreiten und ihr Treffen würde die Grenze markieren. Die Florentiner wählten einen schwarzen Hahn und hungerten ihn aus. Der hungrige Hahn krähte lange vor Sonnenaufgang. Das Treffen fand in Fonterutoli statt (12 km von Siena), Florenz bekam fast das gesamte Chianti.

Die historische Formel

Baron Bettino Ricasoli, späterer erster Ministerpräsident Italiens, definierte 1872 die „moderne" Formel: 70 % Sangiovese + 15 % Canaiolo + 15 % Malvasia (weiße Traube). Heute völlig geändert: mindestens 80 % Sangiovese, weiße Trauben ab 2006 ausgeschlossen, verbleibende 20 % können Canaiolo, Colorino oder internationale Rebsorten sein.

Die drei Kategorien

  • Annata (Basis): mindestens 12 Monate Reifung
  • Riserva: mindestens 24 Monate (davon 3 in Flasche)
  • Gran Selezione: seit 2014, mindestens 30 Monate, Trauben ausschließlich aus eigenen Weinbergen. Aktuelles „Top-Segment" der Denominazione.

Die neuen Unterzonen (UGA) 2023

2023 hat das Konsortium 11 „Zusätzliche Geografische Einheiten" eingeführt: San Casciano, Panzano, Greve, Lamole, Radda, Castellina, Vagliagli, Gaiole, Castelnuovo Berardenga, San Donato, Montefioralle. Beginn einer burgundischen Zonierung.

Wichtigste Erzeuger

Castello di Ama, Isole e Olena, Fontodi, Felsina, Castell'in Villa (alte Garde). Monteraponi, Val delle Corti, Riecine (feine Terroirs). Querciabella, Castello di Radda (moderne Eleganz).

Womit trinken

Bistecca alla Fiorentina, Pappardelle mit Wildschweinragout, Pecorino di Pienza, Ribollita, Lammbraten. Toskanische Küche und Chianti Classico sind zusammen gewachsen.

Siehe auch: Barolo vs. Brunello · Die 10 berühmtesten italienischen Rebsorten.

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