Weinverkostung wirkt einschüchternder, als sie ist. Wer zwei Kaffees unterscheiden kann, kann auch lernen, Wein zu verkosten. Was Sie brauchen: ein passendes Glas, eine geruchsneutrale Umgebung und fünf Minuten Ruhe.
Das richtige Glas
Ein universelles ISO-Verkostungsglas (210 ml), ein Drittel voll. Über dem Wein muss Luft bleiben — dort sammeln sich die Aromen.
Das Sehen
Neigen Sie das Glas um 45° vor weißem Hintergrund. Junge Rotweine haben violettliche Ränder, gealterte werden orange. Weißweine reichen von grünlich (jung, oft aus Norditalien) bis tief golden (Ausbau im Holz oder Reife).
Das Riechen — der wichtigste Teil
Ca. 90 % dessen, was wir „Geschmack" nennen, ist Geruch. Nase kurz übers Glas, riechen, dann kurz schwenken und wieder riechen. Sie brauchen kein Sommelier-Vokabular. Stellen Sie sich drei einfache Fragen:
- Frucht: Zitrus, Apfel, Pfirsich, Kirsche, Pflaume, Beeren?
- Blume oder Kraut: Jasmin, Rose, Salbei, Minze?
- Andere Noten: Brot, Vanille, Kakao, Leder, Tabak, Waldboden?
Ein junger Riesling aus dem Rheingau bringt Zitrus und grünen Apfel; ein gereifter Nebbiolo liefert welke Rose, Teer, weiße Trüffel. Zwei völlig verschiedene Welten.
Das Schmecken: Säure, Tannin, Alkohol, Körper
Nehmen Sie einen kleinen Schluck, halten Sie ihn 4-5 Sekunden im Mund, dann schlucken oder ausspucken.
- Säure: Speichelfluss an den Seiten der Zunge.
- Tannin: nur bei Rotweinen — das trockene, raue Gefühl am Zahnfleisch.
- Alkohol: Wärme im Hals. Unter 12,5 % leicht, über 14,5 % kräftig.
- Körper: die „Dichte" im Mund. Wasser = leicht, Milch = mittel, Joghurt-Drink = kräftig.
Der Retro-Olfakt
Nach dem Schlucken bei geschlossenem Mund durch die Nase ausatmen. Diese Aromen bleiben Stunden später präsent. Ein großer Wein hat 8-15 Sekunden anhaltendes Aroma (PAI). Ein bescheidener 2-3.
Typische Anfängerfehler
- Zu kalt servieren: Rotwein 16-18°C, Weißwein 8-12°C, Schaumwein 6-8°C.
- Zu unterschiedliche Weine vergleichen: zwei Chardonnays vergleichen — nicht Barolo mit Prosecco.
- Nur Punkten glauben: Ihr Gaumen ist wichtiger als 92/100 von Wine Spectator.
Wie günstig üben
Kaufen Sie drei Weine desselben Typs von verschiedenen Erzeugern (Kosten: 30-50 €). Kosten Sie sie nebeneinander. Riesig lehrreich. Für Empfehlungen: Katalog oder Kontakt — ich stelle Verkostungspakete zusammen.
Der nächste Schritt
Wenn Ihre Nase „funktioniert", erkunden Sie große Rebsorten in verschiedenen Terroirs. Lesen Sie meinen Artikel über die 10 berühmtesten italienischen Rebsorten. Für Betriebe: B2B-Dienste.